Wenn ich das Wort „Blog“ oder „Blogger“ in meinem Namen hätte, dann würde ich über das Thema auch ständig schreiben oder reden. Ich kann es nicht mehr hören. Letztes Jahr habe ich mit 15 verschiedenen Blogs mehr oder weniger Umsatz gemacht, mit ganz legalen und markierten Kooperationen oder Affiliate-Marketing. All meine Blogs sind Hobby-Projekte oder Nebenprodukte meiner Online-Marketing-Agentur. Dazu empfehlen wir fast allen KundInnen einen eigenen Blog-Bereich, der zu Conversions, durch starke Google-Rankings und Social-Media-Marketing, führt. 

Jetzt habe ich einige Beiträge gelesen, die bei der Blogparade von start:talking mitmachen und bin entsetzt. Wieso wird bemängelt, dass Blogs heute eher Magazine und Journale geworden sind? Wieso ist das für euch der große Unterschied? Habe ich eine andere Definition des Begriffs „Blog“ im Kopf? Mehr dazu hier in dem Text.

Es gibt nicht den einen Blog

Diese Diskussion ist total überflüssig, denn es gibt nicht den einen Blog. Das Konzept „Blog“ hat sich in den letzten Jahren entwickelt, aber unter dem Strich ist ein Blog folgendes:

„Ein Blog ist eine Website auf der AutorInnen zu einem oder mehreren Themen ihre Texte veröffentlichen.“

Diese Blog-Definition von mir ist so allgemein, wie es der Begriff nun mal eben ist. Es gibt so viele Arten von Blogs mit unterschiedlichen Intentionen, Zielen und Strategien. Es nervt mich so, wenn BloggerInnen immer wieder dieses Thema aufmachen. 

Ein paar Blog-Arten

  • Corporate Blog

Ich weiß natürlich, dass sich die Diskussionen häufig auf Corporate Blogs beziehen. Allein der Aspekt der Suchmaschinenoptimierung wird den Blog noch lange am Leben erhalten. Für den organischen Traffic, also die ohne Werbeanzeigen akquirierten Website-Besucher, brauchen Unternehmen einen Blog. Regelmäßige Veröffentlichungen von Texten über das Unternehmen stärken die Sichtbarkeit der Website. Mit einem Blog-Beitrag werden im Anschluss auch die Social-Media-Kanäle bespielt. Meine Agentur hat an sich nur fünf Produkte, aber wir machen seit fast 10 Jahren Werbung dafür. Ohne Blog wäre dieses aber wirklich eintönig. KundInnen der Contunda GmbH profitieren seit vielen Jahren von den starken Rankings einzelner Blog-Beiträge. Ich profitiere von einzelnen Artikeln, von denen einige mehr als 5 Jahre alt sind und noch immer verkaufen. Wie kann da ernsthaft über den Tod von Blogs ständig diskutiert werden? Auf welchem Bereich einer Website oder einem Online-Shop sollten längere Texte alternativ veröffentlicht werden, um nicht für jeden Verkauf Google oder Facebook etwas Geld zahlen zu müssen?

  • Privater Blog

Hier finden wir wahrscheinlich wirklich einige tote Blogs vor, denn gerade private Blogs scheitern häufig an dem Punkt, an dem die Arbeit beginnt. In meinen Blog-Schulungen bekomme ich die TeilnehmerInnen schnell motiviert und viele planen im Unterricht ihre eigenen Blogs. Ich mache das seit 2015 und bislang kann ich mich an keinen Blog erinnern, der danach wirklich langfristig aufgebaut wurde. Einem lebendigen Blog zu betreiben bedeutet, dass wir kontinuierlich neuen Content über unsere Themen veröffentlichen. Hier ist nicht die Rede von einer Regelmäßigkeit, aber ab und an sollten Lebenszeichen gesendet werden. Mit dem privaten Blog kommen wir häufig dem Blog-Ursprung eines öffentlichen Tagebuchs schon näher, aber ob Privatperson, Unternehmer oder Konzern ein „Tagebuch“ mit News aus ihrem Leben führen, ist doch wumpe.

  • Nischenseite

Viele Blogs sind Nischenseiten, um mit Hilfe von Affiliate-Marketing primär Geld mit der Website verdienen zu wollen. Hier kann eine Nischenseite in Form eines Blogs auch ohne offensichtlich neue Artikel lebendig sein. Aktualisierungen, Ranking-Überwachungen, SEO-Maßnahmen und Einnahmen ergeben einen pulsierenden Blog. Ich habe mehrere gewinnbringende Artikel seit Jahren nicht mehr angefasst und in der Außenbetrachtung ist der ganze Blog nicht mehr mit so viel Leben gefüllt, aber im Inneren lösen einzelne Artikel noch Conversions aus und erzielen Einnahmen. Die ganze Diskussion rund um die angeblich toten Blogs wird von ExpertInnen geführt, die mit dem eigenen Blog-Business ihr Geld verdienen. Bei einigen bedeutet Blog-Business übrigens, dass sie anderen nur aufzeigen wie erfolgreiche Blogs aufgebaut werden können. Jedoch ist dies für mich keine Referenz. Anstatt ständig aus der eigenen statischen Filterblase zu zitieren, sollten die Inhalte eines Blogs über das Bloggen auch mal eigenständig umgesetzt werden. 

Ich stell mir das so vor, dass jemand einen eigenen Blog zu einem Thema aufzieht und dann auf Basis der eigenem Erfolge ein Blog-Business aufbaut, um anderen dieses eigene Wissen zu vermitteln. So mache ich das und kann in meinen Schulungen und Vorträgen, neben den bekannten Best-Practice-Beispielen, eigene Projekte, Umsätze und Kooperationen zeigen. Stattdessen sehe ich Menschen auf Bühnen über Blogs reden, die nur andere ExpertInnen zitieren und erfolgreiche Blogs analysieren. Das kotzt mich schon ein wenig an, weil das seit Jahren bei einigen funktioniert und diese Menschen nie nach Referenzen gefragt werden. Diese BeraterInnen gibt es natürlich in jeder Branche und ich kann es nicht nachvollziehen, wie die damit auch nur bei einem Kunden ankommen können.

  • Hobby-Projekt

Jede Art von Blog kann natürlich auch ein Hobby-Projekt sein, aber ein eigener Blog bedeutet auch die Suche nach Gleichgesinnten. Mein Lieblingsprojekt ist mein Comic-Blog „ComicStation„. Ich blogge über von mir gelesene Comics und habe dadurch eine Kooperation mit einem Comic-Verlag, der mir Rezensionsexemplare schickt. Ich muss nicht über jeden Comic schreiben und habe klar gemacht, dass ich nur positive Leseerfahrungen verblogge. Ich spare durch die Rezensionsexemplare ein wenig Geld für ein langjähriges Hobby. Mit diesem Beispiel und den echten Zahlen aus Google Analytics, Google AdSense, Amazon-Partnerprogramm und den Dashboards aus anderen Affiliate-Marketing zeige ich alle Stationen über den Aufbau eines eigenen Blogs. 

Erst BloggerIn werden, dann DozentIn und ErkläreIn

Bevor ihr Online-Kurse, Seminare und Vorträge über das Thema „Blogs“ anbietet, dann baut doch mal von Grund auf alleine und ohne viel Kapital einen eigenen Blog auf. Ich habe es letztes Jahr mal wieder mit „Kitchenape“ gemacht und die erste Kooperationen lief da auch schon. Ein paar Artikel wurden bei Amazon auch schon verkauft. Alles über den Aufbau habe ich in dem Online-Kurs „Blog-Projekt von A bis Z“ in mehreren Videos dokumentiert. In den kommenden Wochen wird der Kurs noch um das Thema „Geld verdienen mit eigenem Blog“ ergänzt. Ihr müsst diesen Kurs natürlich nicht kaufen, sondern schreibt mich einfach für einen Gutschein an. Vielleicht entstehen dann neue Blogs, die zeigen, dass noch ordentlich Power und Leben in diesem Medium ist.

Wo liegt der Ursprung dieser Behauptung?

Das kann ich euch sagen. Aktuell verändert sich die Welt des Online-Marketings wieder sehr schnell und viele haben Angst den Anschluss zu verlieren. Darum werden die Updates der Szene gerne totgeredet, wie aktuell die App “Clubhouse”. Wenn ich natürlich mit angehenden BloggerInnen mein Geld verdienen würde, dann müsste ich auch regelmäßig in die Welt hinausschreien, dass dieses Medium auf gar keinen Fall tot ist. Ähnlich lese ich es aktuell von vielen BeraterInnen aus dem Bereich des Facebook-Marketings. Beinahe täglich werden neue Beiträge über die Relevanz von Facebook gepostet, denn mit dem Verlust der Bedeutung von Facebook würde auch deren eingerostetes Geschäftsmodell vor die Hunde gehen. 

Dies ist halt der Unterschied zwischen den festgefahrenen “ExpertInnen” und mir. Ich bin heiß auf jede Veränderung im Online-Marketing, probiere eigentlich alles aus und beobachte es. Ich bin aktuell nicht mehr so häufig bei Clubhouse anzutreffen wie in den ersten zwei Wochen nach dem Start und ich poste auch aktuell mehr Beiträge bei LinkedIn als bei Facebook oder Xing. Deswegen schreibe ich aber keine Artikel und behaupte, dass die von mir nicht genutzten Kanäle tot seien. Mir persönlich und meiner Firma bringen Beiträge auf Facebook im Moment nicht so viel. LinkedIn versorgt mich kostenlos mit mehr Reichweite und ich komme in Kontakt mit für mich relevanten Menschen, sprich meiner Zielgruppe. Eine KundIn von mir generiert ihre KäuferInnen ausschließlich über Xing und macht jährlich einen sechsstelligen Umsatz als One-Woman-Show. 

Das Geld verdienen mit der ewigen Filterblase

Die Diskussion über die toten Blogs habe ich zuerst auf LinkedIn mitbekommen und unmittelbar danach auf einer Stage bei Clubhouse. Dort wurde dann der Artikel von LinkedIn zitiert und ich schaute mir die TeilnehmerInnen dieser Diskussion an. Es ist die fast identische Filterblase, die bereits 2013 sich ständig zitiert hat und so es geschafft hat, dass diese kleine Gruppe eine gemeinsame Meinung in die Welt hinaustragen kann, welche wirklich dazu führt, dass sie von Unternehmen, Konferenzen und alle anderen Arten von Events als ExpertInnen eingeladen werden. In dieser Filterblase befinden sich auch respektable BloggerInnen mit beeindruckenden Referenzen, aber eben auch die WiederkäuerInnen und TrittbrettfahrerInnen ohne eigene Leistungen und Erfolge in der Blogging-Szene. Die wirklich MacherInnen in dieser Filterblase werden immer von den gleichen Menschen auf irgendwelche Bühnen geholt, die ständig von dem einen großen Erfolg als BloggerIn aus ihrem Leben erzählen. 

Darum schreibe ich diesen Artikel

Bitte kommt mir nicht mit Neid oder Missgunst. Menschen aus meinem beruflichen Umfeld wissen glaube ich, dass ich so nicht bin. Jedoch können wir uns nicht ständig über LinkedIn-Spam, nervige Kaltakquise und die Ich-mach-dich-reich-in-3-Tagen-Menschen im Kollektiv aufregen, aber unter uns dennoch andere schwarze Schafe dulden. Eigentlich ist dieser Artikel nur ein Aufruf bei ExpertInnen auf die Referenzen zu schauen. Diese Referenzen bestehen nicht aus der Anzahl von Followern, Abonnenten oder gehaltenen Vorträge, sondern aus der Zeit vor dem ExpertInnen-Dasein. Was haben die ExpertInnen vor ihrer Zeit als ExpertIn gemacht, um als solche arbeiten zu dürfen? Das ist die entscheidende Frage, die ihr alle stellen solltet, bevor ihr einen Kurs bucht, einem Vortrag lauscht oder euch beraten lasst. 

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