Ist Deutschland noch nicht bereit für die Blogger?

Einleitung: Ich habe diesen Artikel heute in meinen Entwürfen gefunden und im Oktober 2015 geschrieben. Eigentlich zu schade, um diesen zu löschen. Darum veröffentliche ich ihn heute.

Yeah, es ist mal wieder an der Zeit etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern und mit meinem Geschreibsel voll gegen die Wand zu laufen. Ich bin seit Jahren in diversen Blogger-Gruppen bei Facebook und Google+ unterwegs. Als Geschäftsführer einer Online-Marketing Agentur, mit dem Schwerpunkt der Suchmaschinenoptimierung und meiner Arbeit als Blogger bei markt.de, im Vorfeld meiner Selbstständigkeit, habe ich jetzt seit fast 8 Jahren mit diesem Thema zu tun.

Die aktive Suche nach Blogger-Kooperationen betreibe ich nun seit 4 Jahren, denn auch meine Kunden sollen Reichweite mit Hilfe von Bloggern bekommen, wenn Produkt oder Dienstleistungen und Blogger zusammenpassen. In den Anfangszeiten von Contunda haben wir von Kunden ein Budget verlangt, welches wir für Kooperationen ausgeben durften, dann haben wir dieses Budget selbst getragen und auf Einnahmen verzichtet, um mit guten Zahlen die Zusammenarbeit für die Zukunft zu sichern. Gott sei Dank muss ich nicht von einem Blog leben, sondern schreibe unheimlich gerne und somit erklären sich meine unregelmäßigen Auftritte auf diversen Blogs, die Contunda in den letzten Jahren aufgebaut hat. Einige meiner Blogs sind Experimente, andere sind Hobbys und einige bestehen zum Glück als Aufträge von Kunden, die mich gerne als Ghostwriter einsetzen.

Was ich in den letzten Jahren erleben durfte ist eine große Katastrophe. Für einige Kunden habe ich nicht nur gute Blogs, sondern die perfekten Blogs gefunden. Eine kreative Kooperation hätte nicht nur Reichweite, sondern eine Explosion ausgelöst, die den Start einer neuen Webseite oder eines neuen Produkts extrem vereinfacht hätte. Jedoch war beinahe jeder Preis des Bloggers „viel zu hoch“, „sein Geld nicht wert“, „völlig überzogen“ oder „eine Frechheit“. Der Blogger bekäme immerhin das Produkt kostenlos und solle froh darüber sein.

Leider kann jeder einen Blog eröffnen

Nun eine kleine Geschichte, die ich schon lange mal erzählen wollte. Unser bisher größter Kunde arbeitete bereits mit Blogger-Anfragen, als wir von Contunda für die Suchmaschinenoptimierung engagiert wurden. Ich freute mich über diese Bereitschaft, war Feuer und Flamme für diesen Kunden und wäre am liebsten ein paar Tage die Woche vor Ort in diesem Unternehmen gewesen, weil es so extrem viel Potenzial in sich trug und sich auch obendrein mit einem meiner größten Hobbys deckte. Ergo: Bei der richtigen Vergütung mein absoluter Traumjob (natürlich neben unserer genialen Firma Contunda), gleich nach dem Posten des Social Media Managers bei WWE Deutschland (Social Media Best Practice).

Zurück zu dem Unternehmen, welches bereits mit Blogs zusammenarbeitete. Der Alltag diverser Mitarbeiter sah nämlich so aus:

  1. Anfrage eines Bloggers kommt via E-Mail rein.
  2. Antwort des Unternehmens: „Was darf es sein?“
  3. Blogger antwortet: „Ich hätte gerne Produkt A, B, C, D und E.“
  4. Unternehmen: „Produkt A,B und C schicken wir Ihnen gerne für einen Beitrag.“ (Gesamtwert mindestens 80 €, manchmal noch mehr.)
  5. Blogger stimmt zu.
  6. Produkte werden aus dem Lager geholt und verschickt. (Portokosten)
  7. Blogger schreibt Artikel
  8. Es fängt wieder bei 1. an

Ohne Scheiß, jede Anfrage wurde angenommen. Jede! Als ich dann für das Unternehmen arbeiten durfte, habe ich mir jede Anfrage weiterleiten lassen, um Folgendes zu überprüfen:

  • Alter des Blogs
  • Anzahl der Artikel
  • Abstände zwischen den Artikeln
  • Interaktionen auf dem Blog
  • Qualität der Texte
  • Überprüfung der Social Media Kanäle
  • Überprüfung des Bloggers auf Status des Blogs (Privat oder Unternehmen)

Ich habe mehr als 90% aller Anfragen abgelehnt, weitere 5% habe ich mit großem Bedenken durchgewunken und nur 5% haben die Produkte bekommen. Was passierte dann? Ich musste mich vor dem Chef rechtfertigen, weil ich einen Großteil der Anfragen nicht durchgelassen hatte.

Hier ein Auszug aus dem Gespräch zwischen dem Unternehmer und mir:
Unternehmer: „Wieso haben Sie die Anfrage einer Bloggerin abgelehnt, obwohl diese über 10000 Facebook-Fans hat?“ Ich: „Weil Facebook-Fans gekauft werden können. Wenn ein Posting dieser Bloggerin erscheint, dann hat sie weder Interaktionen auf der Facebook-Seite, noch kommentiert jemand ihren Beitrag auf dem Blog.“ Unternehmer: „Wieso haben Sie die Anfrage des Bloggers abgelehnt, obwohl der Blog wirklich ansprechend aussah?“ Ich: „Es ist nicht schwierig einen schönen Blog zu erstellen, das Schwierige ist der Aufbau einer Leserschaft und dies ist hier nicht gegeben. Den Artikel über Ihr Produkt wird niemand lesen.“

Wollt ihr auch solche Blogs haben und von unwissenden Unternehmen die Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen? Dann befolgt meine Anleitung „90 Minuten + 100 € = Blog mit Einnahmen“. Einnahmen können auch aus den Verkäufen der Produkte erzielt werden. Dieses Experiment in meiner Anleitung habe ich im Jahr 2015, im Rahmen eines Experiments vor meinen Teilnehmern eines Online-Marketing-Kurses, drei Mal erfolgreich durchgeführt . Alles legal und ehrlich. Bei drei Versuchen macht dies eine Erfolgsquote von 100%. Mensch, ich sollte diese Anleitung als e-Book veröffentlichen oder direkt als mehrteiligen Videokurs verkaufen. Dies ist aber nicht das Internet, wie ich es haben möchte.

Werbung, die nicht verpufft

Ich habe den Mitarbeitern des Unternehmens eine Anleitung geschrieben, wie die Qualität eines Blogs gemessen werden kann. Dies war wohl zu viel Aufwand. Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin ein Freund davon, dass frische und neue Blogger gerne auch mal fair für einen Artikel vergütet werden, wenn ich Potenzial in dem Blog sehe. Es muss nicht immer der etablierte Mega-Blog sein. Jedenfalls wurden Anfragen, die Geld und Produkte für ihre Arbeit haben wollten, fast immer abgelehnt. Da waren Blogs dabei, alter Schwede. Internationale Blogs mit Zahlen und Fakten, da habe ich mit den Ohren geschlackert. Jedenfalls waren alle Kooperationen günstiger als jede Print-Werbung oder Standgebühr auf einer Messe. Während meiner Zusammenarbeit mit dem Unternehmen habe ich festgestellt, dass ich das Unternehmen von einer jährlich stattfinden Messe in Essen seit vielen Jahren kannte, aber mir war der Name des Unternehmens nie aufgefallen. Dies zeigte auch wieder, wie schlecht das Unternehmen im Bereich Online-Marketing aufgestellt war. Wenn ich als jahrelanger Kunde erst beim dritten Blick verstanden habe, wer da eigentlich mein Kunde geworden ist.

Was will uns der Burkhard heute erzählen?

  • Ich möchte, dass die Arbeit der guten Blogger nicht nur wahrgenommen, sondern auch wertgeschätzt wird.
  • Ich möchte nicht, dass meine Kunden massenweise Geld für Werbung verbrennen, die schnell verpufft.
  • Ich möchte nicht jedes Mal gegen eine Wand reden, wenn ich meinen Kunden eine Blog-Kooperation als Marketingmaßnahme vorschlage.

Ich habe erfolgreiche Blog-Kooperationen mit und für Kunden organisiert, die noch immer Traffic liefern, die noch immer Produkte verkaufen und die zu einem richtigen Zeitpunkt ein Produkt verkauft haben.

Auslöser für diesen Artikel

Das Thema „Blog“ ist aktuell ein sehr großes Thema, denn ich bekomme aus meinem Unternehmernetzwerk immer mehr Anfragen, um als Blogger zu schreiben. Ich sehe, dass diese Corporate-Blogs neue Kunden bringen, aber lese in den Blogger-Gruppen gleichzeitig viele Beschwerden über unverschämte Anfragen von Unternehmen an diese Blogger. Solange Unternehmen den Wert eines Blogs nicht erkennen und die Qualität eines Blogs nicht bewerten können, solange werden schlechte Blogs ihre kostenlosen Produkte bekommen und professionelle Blogger sich in Gruppen über unverschämte Anfragen beschweren.

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