Burkhard Asmuth aus Essen

Die 1000 Wörter Artikel Debatte

Der Affenblog hat die nächste Runde in der Debatte eingeläutet, ob ein erfolgreicher Blog seine Artikel an der 1000-Wörter-Grenze ansiedeln sollte oder nicht. Der Affenblog ist klar dafür und beginnt seinen neuen Artikel mit der Einleitungsfrage „Hast du einen erfolgreichen Blog?“. Den Erfolg eines Blogs definiert er klar mit Einnahmen, welche durch den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen im Rahmen eines professionellen Business erzielt werden. Dies ist selbstverständlich legitim. Aber.

Seine Definition von Erfolg kann nicht mit Wörtern wie Qualität, Relevanz und Mehrwert gleichgesetzt werden. Nur mit der Länge werde Qualität und Mehrwert erzeugt, halte ich für den falschen Ansatz. Er geht speziell auf Twitter ein , weil ich hier aufgezeigt habe, dass Content mit Mehrwert sowohl auf Twitter als auch auf Facebook mit weit weniger Inhalt, transportiert werden kann. Nicht jedes Thema braucht den Raum und die Tiefe für 1000 Wörter.

Google steht auf lange Texte

Burkhard Asmuth auf der SEO-Rakete

Burkhard Asmuth auf der SEO-Rakete

Zu den Rankingfaktoren von Google gehört auch die Länge eines Artikels, denn nur eine komplette Auseinandersetzung mit einem Thema kann eine erfolgreiche und relevante Landing Page erzeugen. Im letzten Jahr wurde der SEO-Contest auch nicht von Contunda mit mehreren relevanten Artikeln zu dem Wort RaketenSEO gewonnen, sondern von dem Suchmaschinenoptimierer, der die längste und ausführlichste Landing Page zu diesem Thema erstellt hat. (Link zu dem Gewinner.) Ich bin mir aber sicher, dass mit dieser Landing Page noch kein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft wurde. Doch mit dem Beitrag von Contunda haben wir bereits Neukunden auf uns aufmerksam gemacht. Unser Artikel ist bei weitem nicht der längste, doch Menschen finden diesen Ansatz klasse und haben uns darum schon angerufen. Genau dies war unsere Taktik. Wir haben in unserem Netzwerk gezielte Artikel zu diesem Thema gesetzt, die zwar das Fantasie-Wort „RaketenSEO“ beinhalteten, aber wir haben es immer in einen nützlichen Kontext gesteckt. Wir waren lange mit dieser Taktik in den Top5 (Screenshot von Platz 1 ist vorhanden), aber haben an den letzten zwei Tagen an Boden verloren.

Doch gibt dies dem Affenblog recht, dass ein Artikel 1000 Wörter haben muss?

Wenn schon Rankingfaktoren aufgezeigt werden, dann doch bitte auch die Faktoren, die das Thema „Nutzerfreundlichkeit“ behandeln. Der Newsletter-Anbieter Mailchimp nennt seine Popup-Methode, für das Sammeln von Abonnenten, nicht ohne Grund „evil popup mode“. Auf der Suche nach der schnellen Antwort kann auch nicht der Überflug von 700 Wörtern die Lösung sein, um am Ende die Lösung in einer Skizze in einem Bild zu finden. Vielleicht hat er die Skizze nur gefunden, weil der Text 1000 Wörter lang ist, doch wenn das Problem auf der Seite in mehreren Artikeln professionell behandelt worden ist, dann ist die Länge von 1000 Wörtern alles anderes als ein „Muss“.

5 Studien für die 1000 Wörter These

In den 5 Studien, die der Affenblog für die Bestätigung seiner These heranzieht, finde ich zwei Verallgemeinerungen, die so nicht stimmen:

1. Ein smarter Blogger kümmere sich nur um die Abonnenten

Ich bin mir sicher, dass es auch viele smarte Blogger gibt, denen das Sammeln von Abonnenten nicht das höchste Ziel ist. Eine regelmäßige Leserschaft ist ein erstrebenswertes Ziel, doch es gibt für Blogger auch andere Ziele. Zum Beispiel, wenn die größte Einnahmequelle der Verkauf eines eBooks ist. Da verliert der Abonnent nach dem Kauf seinen Wert, auch wenn er ein fleißiger Teil meiner Strategie „Empfehlungsmarketing“ ist. Die Abonnenten teilen meine Beiträge und bringen somit die Neukunden. Aber hier ist von „nur“ die Rede, also zählen Sichtbarkeit und Rankings in diesem Fall nicht?

2. Pageviews seien „Ego-Statistiken“

Auch hier würde ich keinem Fotografen, Modeblogger oder Lifestyle-Blogger die Qualität absprechen, wenn seine aufwendig gestalteten Fotos zu vielen Pageviews führen, die den Künstler schmeicheln. Dies ist nicht gleich eine „Ego-Statistik“, sondern vielleicht die Motivation zur Fortführung seines Blog-Projektes. Durch die Auffindbarkeit in Bilder-Suchen erreicht er seine Leserschaft, die teilen die Bilder und führen zu Conversions. FoodBlogger freuen sich über Kommentare unter den Rezepten. Doch muss ein erfolgreiches Rezept aus 1000 Wörtern bestehen?

Infografik sagt: 1600 Wörter müssen es sein

Die Inforgrafik von Buffer und SumAll ließ mich stutzen und über die Länge meiner SEO-Texte nachdenken. 1600 Wörter sei die optimale Länge eines Blogartikels für die Suchmaschine. Auch hier ist wichtig zwischen der Suchmaschinenoptimierung und den Zielen des Bloggers zu unterscheiden. „Smarte Ziele“ immer mit Gewinnabsichten zu kombinieren finde ich nicht richtig.

LEGO-Figur mit Smartphone und Kaffeebecher

Ein Bild mit LEGO zur Auflockerung und Unterhaltung

Einen großen Plus-Punkt gibt es für den Affenblog für die Statistik von Neil Patel, der aufgezeigt hat, dass seine Artikel, mit mehr als 1500 Wörter, wesentlich mehr Interaktionen bei Twitter und Facebook bekommen als kürzere Artikel. Eine sehr interessante Studie, die ich mir komplett durchgelesen habe. Aber auch hier öffnet sich die Tür zu einem kleinen Angriffspunkt. Dieses Beispiel bezieht sich auf einen einzelnen Blogger und nicht auf die Gesamtheit der professionellen Blogger.  (Bei dem Besuch auf dem Blog von Neil Patel öffnet sich direkt ein gewaltiges PopUp über die gesamte Seite. #Nutzerfreundlichkeit #Verweildauer #GoogleRankingfaktor #Gemenisamkeit)

Zitat aus einem Kommentar von Affenblog:

„Es ist halt super schwer diese Art von Blogger mit einem Begriff zu definieren: Egal ob Nischen-Blogger, smarte Blogger, professionelle Blogger oder Blogger, die es ernst meinen – das sind die Zielgruppen des affenblogs. Meinetwegen auch Blogger mit Gewinnabsicht. In diesem Kontext sollte man den Beitrag betrachten.“

Mit diesem Zitat, plus dem Zusatz, dass dies der beste und einzige Weg ist Erfolg mit seinem Blog zu haben, sperrt er viele Arten von Bloggern aus seiner Definition aus. Ich kann doch nicht den Königsweg für mich beanspruchen und die Lösung für all die Blogger als „muss“ und „einzigen Weg“ bezeichnen, die in ihrer Arbeit folgende Prädikate sehen:

  • Nischen-Blogger
  • smarte Blogger
  • professionelle Blogger
  • Blogger, die es ernst meinen
  • Blogger mit Gewinnabsicht

Gerne kann geschrieben werden, dass dies seine Meinung sei, die er für die erfolgreichste Methode hält, doch dann bitte ohne diese Gleichsetzungen, Verallgemeinerungen und vor allem das Wort „muss“.

Fazit

Verallgemeinerungen finden sich auch im Fazit des eigentlichen Artikels wieder:

  • „Das ist die einzige Content-Strategie, die dich zum Ziel führt.“ (Woher kennst du meine Ziele?)
  • „Wenn du es mit deinem Blog ernst meinst, dann musst du Artikel mit mindestens 1.000 Wörtern schreiben. Fertig.“ (Ich meine es auch mit 500 Wörtern ernst.)

Das Geheimnis des Erfolges eines Blog-Projektes liegt nicht nur in der Länge des Artikels in Kombination mit der Qualität. Er kann auch in der Mischung aus Qualität und Kreativität liegen. Ein smarter Blogger verknüpft seine Webseite mit dem Social Media und generiert hier den Traffic, der seine Ziele erfüllt. Ein professioneller Blogger tauscht sich zu seinen Themen mit anderen Bloggern aus. Ein Nischen-Blogger ackert sich durch alle Facetten seiner Nische, aber entscheidet selber über Masse und Länge. Blogger, die es nicht ernst nehmen, die werden nicht gelesen. Blogger, die es ernst nehmen, sind Herren ihrer Ernsthaftigkeit und gestalten ihre Artikel wie sie es für richtig halten.

Lasst euch niemals die Ernsthaftigkeit, die Professionalität und die Intelligenz absprechen, nur weil ihr keine 1000 Wörter braucht, um eine Leserschaft zu erreichen.

Auf der Suche nach dem Königsweg.

Auf der Suche nach dem Königsweg.

Ich dachte zu Anfang des Dreiergesprächs mit Daniela Sprung von bloggerabc , Vladislav Melnik von affenblog und mir, dass es eine konstruktive Diskussion zum Thema „Content Strategie“ geben wird. Doch die Antwort mit dem Link auf mich und dem Verlauf der Kommentare hat gezeigt, dass hier zwei Welten aufeinandertreffen. Ich stelle mir eine professionelle Blog-Landschaft nicht so vor, dass Blogger mit Gewinnabsichten die User mit 1000 Wörter-Artikeln konfrontieren. Meine professionelle Blog-Landschaft kennt seine Stärken und Schwächen, seine Leserschaft und löst Probleme individuell, kreativ und zielführend.

3 Antworten
  1. Steffi
    Steffi says:

    Danke für deinen guten Artikel. Ähnliche Gedanken hatte ich beim Lesen des Affenblog-Artikels nämlich auch. 😉

    In meinem Thema geht es speziell um Bilder – also das Visuelle. Mir fällt es regelmäßig schwer überhaupt 500 Worte zusammen zu bekommen. Ein Bild sagt ja schon mehr als 1000 Worte, heißt es so schön.

    Es ist dann der schmale Grad zwischen „der Suchmaschine/dem Leser Text zu bieten“ und „in Geschwafel abzuschweifen“.

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Bereits an diesen Fragen erkennen wir, dass die Anzahl der Wörter in einem Text vielmehr eine Folge dessen ist, wie viele Informationen eine bestimmte Inhaltsart benötigt, um ihren Zweck zu erfüllen. Oder wie es Burkhard Asmuth in seinem Artikel ausdrückt: Nicht jedes Thema braucht den Raum und die Tiefe für 1.000 Wörter. […]

  2. […] Media Stammtisch Ruhr in Essen. Gemeinsam zogen wir in den Kampf für das Thema der Relevanz von Blog-Artikeln unter 1000 Wörter. Wenn ich als Dozent für Online-Marketing meinen Kurs gebe, dann ist bloggerabc immer ein Teil […]

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